Kulturprogramm

Jedes Jahr lädt die Alte Synagoge zu Kulturreihen, Bildungsveranstaltungen der Volkshochschule, Angebote des Fördervereins oder Veranstaltungen der Musikschule oder anderer städtischer Einrichtungen ein. Um ein abwechslungsreiches Leitet Herunterladen der Datei einProgramm (1,1 MB) zu bieten werden Künstler höchstens alle drei Jahre eingeladen. Rund 150 Veranstaltungen finden jährlich in der Alten Synagoge statt.

Aktuelle Veranstaltungen in der Synagoge

Die jüdische Gemeinde in Kitzingen

Von Elmar Schwinger

Von den Anfängen bis zur Machtergreifung 1933

Bereits im Mittelalter und in der frühen Neuzeit gab es jüdische Siedlungen in Kitzingen. Sie blieben jedoch episodische Erscheinungen. In Krisen, bei Missernten, Epidemien, Krieg oder ähnlichen Katastrophen wurden ihre Mitglieder vertrieben oder auch ermordet. Die vorletzte Judengemeinde wurde 1763 wegen religiöser Streitigkeiten aus der Stadt verwiesen. Unter dem Einfluss aufklärerischer Ideen entwickelte sich in Bayern seit Anfang des 19. Jahrhunderts eine judenfreundlichere Gesetzgebung. Die Revision von 1861, die freie Berufs- und Wohnortwahl gewährte, befreite die bayerischen Juden von einer lähmenden Fessel.

Am 1. Januar wurde wieder eine israelitische Kultusgemeinde in Kitzingen gegründet. Den Anlass zum zeitübergreifend größten Freudenfest der Kitzinger Israeliten hatte die Einweihung der prächtigen Synagoge in der Landwehrstraße im September 1883 geboten, die mit einer dreitägigen Festveranstaltung begangen wurde. Das Ereignis schien die endgültig errungene Gleichberechtigung und Sicherheit der Israeliten zu symbolisieren.

Eine Wende in der Akzeptanz der jüdischen Bevölkerung leiteten jedoch der erste Weltkrieg und insbesondere das Friedensdiktat von Versailles ein. Die unterschwelligen Vorbehalte, die zuvor nur begrenzte Kreise erfasst hatten, wurden jetzt mehrheitsfähig. „Die Juden sind an allem Schuld“ wurde das Credo der NSDAP, einer skrupellosen Massenbewegung. Deutschlandweit waren die Weimarer Jahre eine Epoche großartiger wissenschaftlicher und künstlerischer Leistungen, an denen die deutschen Juden überproportional beteiligt waren. Inflation und Arbeitslosigkeit und die daraus folgende politische Radikalisierung führten in der Gesellschaft jedoch zu tiefgreifenden Einbrüchen und Verwerfungen. Mit Beginn des 3. Reiches sollte sich die wirtschaftliche und gesellschaftliche Situation der Juden in Deutschland grundlegend ändern.

Unterdrückung, Verfolgung und Vernichtung der Kitzinger Juden durch den NS-Staat

Mit Hitlers Regierungsantritt am 30. Januar 1933 entwickelte sich die nun auch von staatlichen und kommunalen Behörden betriebene Hetzkampagne zum antisemitischen Flächenbrand. Die judenfeindliche Gesetzgebung schloss jüdische Menschen aus der Wirtschaft und allen Lebensbereichen aus. Die Nürnberger Gesetze von 1935 schafften die von den Juden die langerkämpften Rechte weitegehend wieder ab. Die mit jedem Jahr weiter eskalierenden Ausschreitungen gipfelten im „Novemberpogrom“, der sog. „Reichskristallnacht“.

Reichspogromnacht in Kitzingen

SA, SS, aber auch Täter mit anderem Hintergrund brachen in jüdische Wohnungen ein, zerschlugen Fenster und Türen, verwüsteten die Einrichtung, demütigten und quälten die Bewohner. 99 Personen, darunter auch Frauen und Minderjährige, wurden verhaftet und im Amtsgericht (heutiges Vermessungsamt) festgesetzt.
Am 16. November 1938, nach tagelangen Verhören, lieferte die Gestapo 35 jüdische Kitzinger in das Landgerichtsgefängnis in Würzburg ein, von wo sie in das KZ Dachau deportiert wurden. Dort wurden sie gedemütigt und misshandelt, bis sie sich bereit erklärten, ihre Geschäfte, Praxen und Häuser umgehend an „Arier“ zu verkaufen und auszuwandern.

Deportationen und Flucht nach dem Novemberpogrom

Seit dem Novemberpogrom vegetierte die israelitische Kultusgemeinde in Kitzingen unter erniedrigenden Bedingungen, verarmt und verzweifelt dahin. Insgesamt wanderten 192 Personen aus, 84 in die USA, 52 nach Palästina, der Rest verteilte sich über alle Kontinente, ausgenommen Afrika. Diejenigen, denen die Auswanderung nicht mehr gelang, wie auch diejenigen, die ihre Heimat nicht verlassen wollten, wurden im Zuge der reichsweiten Deportationen verschleppt. Zunächst traf es die Arbeitsfähigen mit ihren Familien. Am 21. März 1942 wurden 75 jüdische Kitzinger*innen sowie 133 in der Stadt Würzburg sowie den Landkreisen Karlstadt, Kitzingen und Ochsenfurt wohnhafte Israeliten inhaftiert und im „Fränkischen Hof“ in Kitzingen gesammelt.

Am 24. März 1942 verschleppte sie ein für diesen Zweck aus Personenwagen zusammengestellter Zug von Kitzingen aus über Nürnberg, wo 792 weitere jüdische Personen hinzukamen, in das in Ostpolen gelegene Durchgangslager Izbica. Niemand hat diesen Transport überlebt. Die letzten in der Stadt verbliebenen jüdischen Kitzinger, 19 ältere Frauen und Männer, warteten seither im sog. „Judenhaus“ (heutiges Archiv- und Museumsgebäude) auf ihre „Evakuierung“. Am 21. September 1942 geleitete sie ein Polizist zum Bahnhof, von wo sie nach Würzburg gebracht wurden. Die Gestapo teilte sie dem Transport zu, der am 23. September 1942 in das Durchgangslager Theresienstadt abfuhr. Von der Kitzinger Gruppe wurden drei Frauen nach Auschwitz weiter verschleppt, wo sie verschollen sind. Drei Frauen überlebten das Durchgangslager Theresienstadt. Sie sind die Einzigen der 94 aus Kitzingen deportierten jüdischen Kitzinger, die die Transporte nach Izbica bzw. Theresienstadt überlebt haben. Auf die Gesamtzahl umgerechnet sind das drei Prozent. Allein Paula Sichel, die zusammen mit ihrem Mann in der Rosenstraße eine koschere Bäckerei betrieben hatte, kehrte für kurze Zeit in ihre Heimatstadt zurück, bevor sie zu ihrem nach Australien ausgewanderten Sohn aufbrach.

In Kitzingen gibt es keine jüdische Gemeinde mehr.
Die restaurierte Synagoge wurde am 19. Mai 1993 erneut feierlich eingeweiht.
Zur Veranstaltung wurden von der Stadt ehemalige Kitzinger Juden eingeladen, woraus sich dauerhafte Kontakte ergaben.
In der Stadt Kitzingen besteht eine lebendige Erinnerungskultur.

Leitet Herunterladen der Datei einAusführlicher Bericht über die jüdische Gemeinde in Kitzingen (0,5 MB)

Quellen:
Naphtali Bamberger: Geschichte der Juden von Kitzingen. Festgabe anläßlich des 25-jährigen Bestehens der Synagoge (1883 - 1908), Kitzingen 1908.
Elmar Schwinger: Von Kitzingen nach Izbica. Aufstieg und Katastrophe der mainfränkischen Israelitischen Kultusgemeinde Kitzingen, Kitzingen 2009.
Ders.: Deportation, Durchgangslager, Völkermord. Der Exodus der mainfränkischen Juden1941 – 1944.
Mainfränkisches Jahrbuch für Geschichte und Kunst, Teil I 214, S. 239 – 286, Teil II (enthält die Durchgangs- und Vernichtungslager): 1915, S. 275 – 294.
Rotraud Ries und Elmar Schwinger (Hrsg.): Deportationen und Erinnerungsprozesse in Unterfranken und an den Zielorten der Transporte. Schriften des Johanna-Stahl-Zentrums für jüdische Geschichte und Kultur in Unterfranken, Würzburg 2015.
Gedenkbuch Kitzingen. Yiskor. Recherchiert von Michael Schneeberger unter Mitarbeit von Christian Reuther und Elmar Schwinger, Kitzingen 2011.
Harald Knobling: Die Synagoge in Kitzingen. Geschichte – Gestalt – Bedeutung, Kitzingen 2003.

Förderverein ehemalige Synagoge Kitzingen e.V.

Der Öffnet externen Link in neuem FensterFörderverein wurde 1982 gegründet, um die Synagoge vor dem Abriss zu bewahren. Sie war während der Reichspogromnacht schwer beschädigt worden. Die vier Jahrzehnte, in denen sie nicht saniert wurde, setzten der Bausubstanz ebenfalls schwer zu.

Heute vermittelt der Förderverein die Kultur und Geschichte des Judentums durch Konzerte, Vorträge, Theater, Ausstellungen und weiteren Aktionen.

Alte Synagoge

Richard Arndt Landbeck, Monika Günther
Landwehrstraße 1
97318 Kitzingen

09321/ 929945-12

Erreichbar Montag - Donnerstag Nachmittag

Programmplanung: Richard Arndt-Landbeck

Organisation: Monika Günther