Ein genaues Gründungsdatum ist weder für die Stadt Kitzingen noch
für ihr Archiv bekannt. Jedoch kann spätestens mit dem Bestehen eines
Stadtrats im 14. Jahrhundert und dem damit verbundenen Recht auf gewisse Selbstverwaltung
auch ein eigenes Archiv vermutet werden, wenngleich es erst viel später
ausdrücklich erwähnt wird.
Im Ratsprotokoll vom 27. Oktober 1613 ist erstmals von einem Archiv die Rede.
Der Magistrat bestimmt unter diesem Datum einmütig, dass die abgeschriebenen
Geburtsbriefe und Abschiede, die bei den Gesuchen um das Bürgerrecht vorzulegen
sind, im Archiv und in der Registratur aufbewahrt werden müssen. Zu diesem
Zweck sollen ein eigenes "Behältnis" und ein Register mit Index
angefertigt werden. Das Archiv war in der Kanzlei des Rathauses untergebracht.
Jahrhundertelang wurden vor allem Urkunden, Amtsbücher, Druckschriften
und verschiedene Rechnungen im Archiv aufbewahrt. Anderes Schriftgut galt damals
nicht unbedingt als archivwürdig. Dies änderte sich erst unter dem
langjährigen Stadtschreiber und Ratsmitglied Paul Rücklein (1584-1654),
der als erster Archivar Kitzingens namentlich bekannt ist.
Rückleins Weitblick und Ordnungsliebe nämlich verdankt die Mainstadt
ihren reichen Bestand an Archivalien. Rücklein hat nicht nur alle auffindbaren
Schriftstücke zusammengetragen und geordnet, sondern er hat 1626 - im Zeichen
des drohenden Rückfalls an das Hochstift Würzburg - das erste Generalrepertorium
sämtlicher Urkunden, Amtsbücher und Akten der Stadt Kitzingen angefertigt.
Zum Zeitpunkt der Eingliederung der Stadt Kitzingen in den bayerischen Staat
im Jahr 1814 besaß das Archiv noch einen reichen Schatz wertvoller Archivalien,
besonders aus dem 1802 aufgelösten Ursulinerinnenkloster. Jedoch wurde
der damals vorherrschenden zentralistischen Staatsauffassung entsprechend die
Überführung älterer und wertvoller Dokumente zuerst an das Staatsarchiv
Würzburg und von dort an das Allgemeine Reichsarchiv in München angeordnet.
1829 verfügte man darüber hinaus die Abgabe aller Urkunden bis zum
Jahr 1400 nach München. Was dann noch im Besitz der Stadt verblieb, wurde
in einem wenig pfleglichen Zustand in zwei Dachbodenkammern des Rathauses aufbewahrt.
Mehrmals wies das Landgericht Kitzingen die Stadt auf diesen Missstand hin.
Entscheidendes änderte sich jedoch nicht. Erst Dr. Anton Reuß, Sohn
des damaligen Kitzinger Amtsarztes, Privatdozent und Bibliothekar an der Universität
Würzburg, führte 1838 aus eigener Initiative und unentgeltlich die
Sichtung und Ordnung der wertvollen Archivalien durch. Dabei fertigte er nach
bestimmten Gesichtspunkten geordnete Sammelmappen an und versah diese mit Signaturen.
Seine Geburtsstadt dankte ihm dafür mit der Verleihung der Ehrenbürgerwürde
im Jahre 1840.
Leider verlor das Archiv bei diesen Inventarisierungsarbeiten auch etliche wertvolle
Originale, die von Dr. Reuß an die Universitäts-Bibliothek Würzburg
(Pfarr- und Stadtgeschichte), an die beiden Pfarrämter (Kirchenbücher,
Briefwechsel mit Reformatoren) und an die kgl.-priv. Schützengesellschaft
(Schützenbriefe) übergeben wurden. Ausgesonderte und für wertlos
erachtete Archivalien, die als "Archivmakulatur" galten, wurden 1843
auf Veranlassung von Dr. Reuß im Rahmen einer Versteigerung zum Verkauf
angeboten oder vernichtet. Dabei handelte es sich vornehmlich um Rechnungen,
Belege und Verwaltungsakten, aber auch um auf Pergament geschriebene Urkunden.
Das entscheidende Jahr für die Einrichtung eines städtischen Archivs
ist das Jahr 1858. In einem kritischen Visitationsbericht der königlichen
Regierung aus dem Jahr 1857 heißt es, dass "eine nicht unbedeutende
Masse älterer archivalischer Dokumente sich im Besitz der Stadtgemeinde
befindet, welche ohne Ordnung, ohne Sichtung des Wertvollen vom Wertlosen und
ohne Verzeichnung aufbewahrt seien", weshalb die Beseitigung dieser Missstände
angeordnet worden sei. Kritisiert wurde zudem, dass der Aufbewahrungszustand
der Archivalien nach wie vor ungenügend sei und dass die Registratur nicht
der vorgeschriebenen Ordnung entsprechen würde.
Nach einer weiteren Beanstandung stellten Magistrat und Gemeindekollegium Anfang
des Jahres 1858 abschließend fest, dass "die Abstellung dieses Missstandes
nur durch die Aufstellung eines im Registratur- und Archivwesens vollständig
bewanderten Individuums geschehen könne." Daher einigte man sich auf
die Anstellung eines "Funktionärs mit dem Funktionsbezug von täglich
einem Gulden". Mit Genehmigung des Landgerichts erhielt diese Stelle der
geprüfte Rechtspraktikant Andreas Schmiedel aus Bayreuth, der von 1859
bis 1881 Bürgermeister der Stadt Kitzingen war. Auf Schmiedel ist daher
vor allem die Ordnung der Registratur des Stadtarchivs sowie die Anlegung eines
Findbuchs zurückzuführen.
Ein ebenfalls angefertigtes Urkundenbuch des Stadtarchivs verzeichnet 600 Urkunden
aus der Zeit von 1400 bis 1800. Die älteste Urkunde reicht ins 14. Jahrhundert
zurück. Es ist das Testament des Kitzinger Bürgers Wolfelinus Teufel,
das vor dem Kitzinger Stadtrichter im Jahr 1352 aufgesetzt wurde. Es ist derselbe
Wolfelin, der acht Jahre zuvor zusammen mit seinem Bruder Rüdiger und dem
Nürnberger Schultheißen Konrad Groß das Spital in Kitzingen
gestiftet hat.
Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges regte das "Allgemeine Reichsarchiv"
in München im Jahr 1919 an, die städtischen Urkunden, Amtsbücher
und Akten in einem größeren Raum aufzubewahren. Bemängelt wurde
vor allem, dass sich das Archiv auf mehrere Zimmer und verschiedene Stockwerke
im Rathaus verteilen würde. Darüber hinaus gab auch der unzumutbare
Zustand des Archivs selbst Anlass zu drastischer Kritik: "Auf den oberen
Bodenräumen, in der Registratur selbst hinter Regalen versteckt, liegen
außer sonstigem Krempel Berge von zum Teil recht wichtigen Aktenprodukten
umher. Desgleichen befinden sich Stöße solcher Aktenstücke in
den einzelnen Referaten. Auf den Gängen, in jeder Ecke - kurzum wo man
hinsieht, macht sich diese Unordnung bemerkbar."
Angesichts dieses vernichtenden Urteils beschloss der Stadtrat im Juni des Jahres
1920 den Umzug des Archivs in das ehemalige Salzmagazin im Nordwestflügel
des protestantischen Schulhauses und früheren Klosters. Zur provisorischen
Instandsetzung der Räume dieses Magazins, die trocken, luftig, ausreichend
hell und vor allem feuersicher waren, genehmigte der Stadtrat einen Kredit von
4500 Mark.
Beim Luftangriff auf Kitzingen am 23. Februar 1945 blieb das Stadtarchiv wie
durch ein Wunder vollständig erhalten. Lediglich die Wand- und Deckenbekleidung
war abgefallen und hatte alle Bücher und Regale bedeckt. Da jedoch das
elektrische Licht lange Zeit nicht funktionierte, gestaltete sich die Säuberung
und Sichtung sehr zeitraubend, konnte jedoch bis Ende des Jahres 1945 durchgeführt
werden.
Seit 1965 befindet sich das Stadtarchiv Kitzingen nun zusammen mit dem Städtischen
Museum im ehemaligen Kastenhof in der Landwehrstraße 23. Obwohl dies ursprünglich
nur als provisorische Lösung gedacht war, änderte sich an der unzulänglichen
räumlichen Situation Jahrzehnte nichts. Erst am 17. Oktober 2002 fasste
der Stadtrat den Grundsatzbeschluss über Sanierung und Umbau des Stadtarchivs
und Städtischen Museums in der Landwehrstraße 23. Die Umbaukosten
lagen bei 2,88 Millionen, 44% davon wurden durch Fördermittel gedeckt.
Nach erfolgtem Umzug in das „Interimsarchiv“ am Gustav-Adolf-Platz
6 konnte am 25. August 2003 der Dienstbetrieb wieder in vollem Umfang aufgenommen
werden.
Nach knapp dreijähriger Bauzeit erfolgte schließlich die Rückkehr
des Archivs in den Kastenhof. Der Wiedereinzug begann am 3. Juli 2006 und war
bereits nach zwei Wochen abgeschlossen. Erstmals sind alle Bestände des
Archivs incl. der bisher ausgelagerten Archivalien der beiden Stadtteile Sickershausen
und Repperndorf in einem Gebäude zentral und unter besten konservatorischen
Bedingungen untergebracht. Die Archivalien verteilen sich auf insgesamt drei
fahrbare Rollregale im Erdgeschoss und ersten Stock. Die Nutzlast der gesamten
Rollregalanlage liegt bei knapp 22.000 Kilogramm!